Die monströse, unnahbare Nummer 200 prangt schwer schnaufend über diesem Tape, was läge also näher, als sich göttlichen Themen zu widmen? Denn Götter – vor allem jene, die sich Liebesdienste auf die Fahnen geschrieben haben – sind schon eine Spezies für sich und darüber gilt es zu philosophieren. Mit formschönen Pfeilchen schießen sie aus dem Hinterhalt auf dämlich drein blickende Dösbattel und besiegeln somit handstreichartig deren Schicksal. Pfiffig haben sich die alten Griechen das zusammen gereimt, denn anders kann man sich das skandalöse Treiben der Geschlechter auch wirklich kaum erklären. Nur, welchem Liebesgott vertraut man sich an? Wer hat die wirksamsten Spezialkräfte? Da dank Hollywood antike Gottheiten die neuen Actionhelden sind, kann es mir keiner übel nehmen, wenn ich heute zwei besonders populäre in einem Soundclash gegeneinander antreten lasse.

A-Seite: Eros a.k.a. Cupid

Den Anfang macht Eros. Der kleine Racker mit Pfeil und Bogen bietet viel Angriffsfläche für den modernen Minnesänger und wurde daher beispielsweise in der herrlichen Blütezeit des Rock&Roll oft und gerne besungen. Connie Francis und Sam Cooke haben ihm exzellente Hymnen zu Füßen gelegt. Letztere wurde wiederum vom Übersoulmensch Otis Redding in höchst tanzbarer Form neu interpretiert. Seine Version von Cupid lässt meine Beine dank rauchiger Stimme, wummerndem Basslauf und ordentlich Blechinstrumenten unruhig werden. Eros und Otis gehen steil.


Tape als MP3

B-Seite: Venus

Die weibliche Note sollte in Sachen Liebe natürlich nicht fehlen, so bringt Frankie Avalon auf der B-Seite die schöne Venus ins Spiel. Mit weitaus weniger Roughness, dafür mit einer saftigen Extraportion Hintergrundchorus bettelt Frankie, um die Gunst der holden Göttin. Frankie und Venus schlagen sanft zurück.


Tape als MP3

Unter dem Strich und zwischen den Zeilen

Sein Schicksal in die Hände von übernatürlichen Wesen zu legen, halte ich persönlich für wenig sinnstiftend wenn es um die Eroberung des oder der Angebeteten geht. Über sie zu singen allerdings schon. Denn wie auch unsere heidnischen Vorfahren vertraue ich auf weit weltlichere Verführungshilfsmittel: Musik und Brombeerlikör! Auf Euch!

Yours truly

Dr. Diggins