Sylvesterpartys sind eine allseits beliebte Gelegenheit um die eigene Standfestigkeit im Bezug auf Neujahrsvorsätze zu testen. Vermutlich aufgrund hormoneller Schwankungen ist mir ein gezügeltes Feiern offensichtlich von Kindheit an unmöglich. Daher beauftrage ich vor jeder Sause, die ich in meinen eigenen vier Wänden austrage, vertrauenserweckende Gäste damit, mir beim Aus- und Einschenken prüfend auf die Finger zu sehen.

Das geht manchmal eine Stunde gut, manchmal nur eine halbe, aber über den ganzen Abend einen kontrollierten, mit taktischen Mineralwassereinschüben durchmengten Sylvesterabend durchzuhalten ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Die soeben begangene Jahreswende war mal wieder ein Paradebeispiel für mein Unvermögen, mich im Zaum zu halten.

Protokoll einer Entgleisung

17:59 Uhr: Die handgetöpferten Schnapsgläser werden vom Regal geholt.
18:00 Uhr: Erste Runde Williams Christ.
20:00 Uhr: Die ersten Gäste erscheinen. Obligatorische Begrüßungspiccolöchen mit dem Gastgeber.
21:42 Uhr: Pablo und Enrique fordern zum Tequila-Wettrinken.
22:04 Uhr: Der Wettkampf wird durch Eintreffen eines selbsternannten Zauberkünstlers unterbrochen.
22:09 Uhr: Der Gastgeber zeigt seinen Paradetrick (das “Verschwindenlassen” einer Flasche Persiko) und fordert den Zauberer lautstark auf, das Kunststück zu wiederholen. Es kommt zum Handgemenge.
22:39 Uhr: Beim Behandeln der Wunden mit Franzbranntwein wird dieser auch oral verabreicht.
23:00 Uhr: Der Gastgeber fordert lautstark, das neue Jahr in Helsinki zu feiern. Im Wohnzimmer startet eine Starlight-Rakete. Champanninger!
23:26 Uhr: Die Assistentin des Zauberkünstlers zieht eine Flasche Fernet Branca aus dem Hut des bewusstlosen Zauberkünstlers.
00:00 Uhr: Das neue Jahr bricht weitgehend ohne Beteiligung der Partygäste an. Der Gastgeber schläft in der Badewanne, weitere Gäste schlummern unter Tischen, vor Heizkörpern und auf Bärenfellen.

Nun, so oder so ähnlich muss es sich wohl zugetragen haben, wenn ich meinen Überwachungskameras Glauben schenken darf. Denn geht es um das Zelebrieren, so halte ich halte es spitzbübisch wie Dean Martin:

You’re not drunk if you can lie on the floor without holding on.

Nie um einen seichten Spruch über seine angeblichen Trinkgewohnheiten verlegen, so war er doch ein Vollprofi unter den Entertainern. So möchte ich den Heinz Schenk des Rat Pack zu Beginn der neuen Zeitrechnung zu Wort kommen lassen, um gemeinsam prostend in die Sonnenstrahlen zu lächeln. Ich freue mich auf ein fantastisches Jahr mit Euch und den Perlen, die wir gemeinsam heben werden. Hey Mr. Mundschenk, schenk ein den Wein…


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins