Es ist mal wieder passiert. Ich bin verliebt – und zwar in eine Coverversion. Angestachelt durch die »Debatte« um das Coveralbum des Schlagerteufels Heino, die ich an dieser Stelle in keinster Weise fortführen möchte, drängte sich mir bei der akustischen Degustation die folgende Frage auf: Was ist verwerflich an einer Coverversion?

Nicht Kopieren, Auftoupieren!

Zunächst einmal erstaunt mich, dass die deutsche Sprache keine Entsprechung für den englischen Begriff “cover song” bereitzuhalten scheint. Das Werk eines anderen Künstlers nicht einfach nur einspeicheln und wiederkäuen, sondern es vielmehr mit seinen eigenen Genen aufpudeln und zu einer neuen musikalischen Föhnfrisur toupieren: Wie bezeichnet man das?

Ich spreche hier nicht vom simplen Kopieren, nein nein. Ich spreche hier von einer Aufwertung, einer Interpretation, einer Auseinandersetzung über Iterationen hinweg. Nein, dafür gibt es tatsächlich keinen deutschen Ausdruck. Eine Sonderkommission des Kultusministeriums zur Findung eines passenden Begriffs wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Den Damen und Herren der Kommission möchte ich einen offiziellen Antrag für die Heiligsprechung der Coverversion mit auf den Weg geben. Als Beweismaterial, als glühendes Fanal wie herrlich solch’ ein Cover daher kommen kann, will ich einen anderen, glatt geschliffenen Schlagerbarden zur Wort kommen lassen. Kein Geringerer als der Bundfaltenhosencasanova Julio Iglesias, der eben jenes Musikstück zum besten gab, welches mir für dieses Tape als Muse diente.

Football + Schulfranzösisch

Man mag über diesen Mann denken was man will aber seine Version von La Mer ist ein einziger Kracher. Getragen von den WahWahs, Trompeten und Orgeln eines Orchesters mit den gefühlten Ausmaßen einer Football-Manschaft säuselt sich der alte Iglesias mit feinstem Schulfranzösisch in mein Herz hinein.

Kann es eine schönere Huldigung des Originals geben? Ich denke nicht. Ja meine Damen und Herren, ich bin verliebt. Band ab!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins