Das Hören geliebter Musikstücke gleicht einem ständigen Spiel mit dem Feuer. Will man sich metaphorisch etwas weiter aus dem Fenster lehnen, so könnte man von einem Tanz im Tanga ums Ross-Kastanien-Lagerfeuer sprechen, dessen mächtiger Funkenschlag von Survival-Profis aus aller Herren Länder gefürchtet wird. In diesem Metapher-geschwängerten Tanze drohen dem Musikliebhaber zweierlei Gefahren, die ich unaufgefordert an Ort und Stelle erläutern möchte.

Die zwei Enden der Extremismus-Skala

Hört man ein Lieblingslied beispielsweise zu selten, so läuft man Gefahr es im ständig wachsenden digitalen Musikhaufen auf ewig zu begraben. Quelle catastrophe! Am anderen Ende der Extremismus-Skala allerdings, dort lauert eine weitaus perfidere Bedrohung. Übertreibt man es gerade zu Beginn einer musikalischen Beziehung mit der Zuneigung, lässt man sich also von der Euphorie allzu sehr einlullen und hört das gute Stück zu oft, nudelt man es unerbittlich auf allen Kanälen, so droht dem Hörer die unbarmherzige Übersättigung. Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne von einem Verglühen.

Brennstäbe der guten Laune

Alle Jahre wieder stößt der gewiefte Hörer allerdings auf Ausnahmen dieser tragischen Regel. Musikalische Brennstäbe der guten Laune, die über scheinbar magische Glüheigenschaften verfügen, die sich standhaft gegen das Verglühen erwehren und scheinbar ständig und überall durchgenudelt werden können. Ich möchte meine theoretischen Erläuterungen keinesfalls beenden ohne sie anhand eines ganz persönlichen Beispieles illustriert zu haben.

Hot No Ho – so lautet der Name unseres Anschauungsstückes, mit dem ich meine Ohren seit geraumer Zeit ohne jegliche Abnutzungserscheinungen penetriere. Punktgenau eingespielt vom kalifornischen Künstlerkollektiv namens the Lions. Knackige Percussions, puffige Drums, flirrende Wah-Wahs und pumpende Orgeleinsätze - mein lieber Scholli, es ist aber auch wirklich alles mit dabei was mein alterndes Herz einen Takt höher schlagen lässt.

Möchte man nun zum Abschluss – und ich möchte durchaus sehr gerne – jene penetrante Slip-Metapher aus der Einleitung noch ein zweites Mal bemühen, so kann man ohne dabei rot zu werden Folgendes behaupten: Dieses Lied ist so tight produziert wie ein brasilianischer Tanga. Ich erhebe mein Gläschen Eierlikör darauf, dass mir dieser Tanga nie verglühen möge. Band ab!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins