Meine fehlende Kompetenz “Nein” sagen zu können brachte mich unlängst in ein moralisch-athletisches Dilemma. Fehlgeleitet von ein paar Verdauungsobstlern mit den sog. Stadtoberen hatte ich mich dazu beschwatzen lassen, an einem Charity-Event teilzunehmen. Zum Schutze diskriminierter Kleingärtner oder verwaister Robbenbabys. Irgendwas in diese Richtung musste es gewesen sein – auf jeden Fall mit Fell.

Gemeinhin sind Wohltätigkeitsveranstaltungen gut organisierte Empfänge, bei denen der Schampus locker sitzt und einem gelangweilte Funktionärsgattinnen an den Lippen hängen, sobald man von den wilden Tagen im Wanderzirkus erzählt. Man sollte allerdings gerade auf dem Klo sitzen, wenn zu späterer Stunde der Hut rumgeht.

Schwitzen für den Frieden

Doch: Pech! Kein Empfang, keine Witwen für den Doc, vielmehr ein Charity-Lauf (!), bei dem jeder erkämpfte Kilometer mit einem geretteten Baum oder Erpel vergütet würde. Laufen für den guten Zweck. Schwitzen für den Weltfrieden. Ein Alptraum! Aber zu spät, in der Moralfalle gefangen, machte mir der gute Zweck einen Strich durch die Rechnung, was das “Sich-Verdrücken” anging.

Dave hat mein Tempo

So hechelte ich vergangene Woche hinter fünfhundert gesunden, durchtrainierten Menschen her, die sich an ihren Gebeinen mit allerlei Pulsmessern bewaffnet hatten. Ich trug aus Stilgründen lediglich Schweißband, Sonnenbrille und Chucks. Dazu hatte ich mir erlaubt das heutige Tape in meinen Walkman zu spannen. Während sich der restliche Fitness-Kreuzzug mit Trimm-Dich-House aufstachelte, ließ ich den guten Dave Brubeck das Spektakel untermalen. Sein Take Five nimmt nämlich – Klangschneekugeln sei Dank – jedem fürchterlichen Event die Fürchterlichkeit. Wenn schon Untergehen, dann doch wenigstens mit Stil. Zudem trifft der Hit zufälligerweise exakt mein Lauftempo. Band ab!


Tape als MP3

P.S. Ich erwachte gefühlte zwei Stunden nach Ende des Events, als mich ein übermotivierter Malteser mittels Defibrillator wieder ins Diesseits zurück katapultierte. Ich hatte mir stattliche 1200 Meter aus den Rippen geleiert. Getting old ain’t for sissies …

Yours truly

Dr. Diggins