Aufgedunsen stolperte Ambrosius durch das verwüstete Hotelzimmer, in der Linken mit einer Porzellankatze fuchtelnd. Die restlichen vier auf dem Boden des Hôtel De Crillon verteilten Bandmitglieder wirkten im Lichte der über dem Place de la Concorde aufsteigenden Sonne wie Gefallene der Schlacht von Saalfeld. Einzig die dutzenden, in den Blumengestecken verteilten Jägermeisterflaschen störten das moderne Stillleben.

Rockstarmanierismen

Die noch juvenile Kapelle Schwester Minimal hatte soeben die Strapazen der Feierlichkeiten zur Fertigstellung ihres ersten Albums hinter sich gebracht. Feiern konnte dieser über den Boden zerborstene Haufen blutjunger Musikanten bereits als wären zigtausende Platten verkauft - das nennt der Franzose ‘Savoir-Vivre’. Ich war beeindruckt.

Fiebrig brabbelnd nestelte Ambrosius an seinem Walkman herum, um mir endlich das Ergebnis der vierzigminütigen Aufnahmesession vorzuspielen - die Band hatte das gesamte Album scheinbar in völligem Wahn in einem Take aufgenommen. Als ich schlaftrunken die gekritzelten Songtitel entzifferte, rief ich: “Pah! Deutsche Texte! Das hat seit Roberto Blanco kaum einer ohne lyrische Peinlichkeiten hinbekommen.” Sekunden später warf jemand Pippo ein Goldfischglas nach mir. Nun war ich endgültig neugierig auf eine Kostprobe …

The Message is the massage

Ich will mich gar nicht in Lobhudeleien verlieren. Fakt ist, dass die beiden Zimmermädchen, die sich am Abend zuvor von Tilmann, Hans-Hubert und Enrique hatten abfüllen lassen, sich, kaum dass die Musik begonnen hatte, aus samtigen Kissenburgen schälten, um ihre Uniförmchen glatt zu streichen und trotz völliger Unkenntnis der deutschen Sprache feenhaft zu tanzen und zu trällern:

Un Dü tanz’ tanz’ tanz’-
Bis Dü nisch me’r kanns’

In diesem Sinne… Band Ab!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins