Ah, dieser Drink erinnert mich an New York. Jeder Schluck spült eine Welle von Reminiszenzen in meine vordere Hirnhälfte. New York, eine Zeit der Unschuld. An den zahlreich vorhandenen Abenden besuchten wir die zahlreich vorhandenen Feierlichkeiten, um uns mit wildfremden Menschen das riesige Metropolis ein bisschen kleiner zu feiern. So trug es sich zu, dass wir einer Willie-Tanner-Benefiz-Schaumparty einen Besuch abstatteten. Wir verließen das bunte Treiben im Antlitz des uns belächelnden Mondes denn man wollte torkelnd die Bedford Avenue herunter wanken.
Waghalsige Whirlpoolimprovisation
Ich versuchte damals krampfhaft eine für mich unerreichbare Göttin zu beeindrucken, die streng politisch links engagiert war. So entledigte ich mich meiner vom Schaum durchtränkten Schuhe und warf sie mit dem Elan eines pubertierenden Kolibris und den Worten “Nieder mit dem Schweinesystem!” über eine Straßenlaterne. Keine gute Idee im New Yorker Winter. Vor allem dann nicht, wenn der letzte Taxi-Groschen bereits in einen lauwarmen Thunfischburrito investiert wurde.
Als wir zuhause ankamen, hatte ich Eisklumpen an den Füßen, die ich im Geiste von Don Quijote mit einem lächerlichen Fußbad zu bekämpfen versuchte. Einige Minuten später erwachte ich abrupt unter den Reanimationsversuchen meiner Mitbewohner. Was war passiert und woher kam dieser beißende Geruch?
Im weißen Bademantel auf der Badewannenkante sitzend, hatte ich das Wasser wohl als nicht ausreichend warm empfunden, um damit meine steifgefrorenen Glieder zu entfrosten. Als ich den Föhn erblickte schien mir dessen Verwendung just in diesem Moment als eine absolut plausible Idee … Seitdem ermahnt mich der Blick in den Spiegel immer wieder, mit einem Föhn keinen Whirlpool zu improvisieren. Denn als Kollateralschaden des Experiments war ein stolzer Beton-Afro an die Stelle meiner bis Dato getragenen Winnetoumähne getreten, der mich bis heute wie ein treuer Bernhardiner begleitet.
NY is killing me
Der Titel NY is killing me von Legende Gil Scott Heron passt inhaltlich zu dieser Episode eines entbehrlichen Lebens wie die Faust aufs Auge. Bereits das Original ist ein ganz großes Dingen, doch hat Herr Heron zusammen mit Jamie XX seinem neuen Album einen zweiten Aufguss verpasst. Und der presst noch einmal Erstaunliches aus den Poren des bereits interessanten Ausgangsmaterials. Wären unsere Ohren Katzen, so wäre dieser Remix vermutlich ein Kratzbaum. Denn er bietet ausgiebige Möglichkeiten sich an Neuem und Fremden zu reiben und zu erfreuen. Der Bass jedenfalls hat reanimierende Wirkung und spült vielleicht auch in Deinem Hirn Erinnerungen noch oben. Lass rollen…
Tape als MP3
Yours truly

9x
get out of town ! Your story is just unreal Doc. ! well, blow me ;-)
Likey, likey!
Wieder mal eine prächtig unterhaltende Geschichte und abgefahrenes Liedgut! :-)