Heiß ist gar kein Ausdruck. Stundenlang wurde ich weichgekocht in einer rollenden Sauna. Gefangen in einem Minibus auf einer nicht enden wollenden Straße irgendwo im Norden des schwarzen Kontinents, kurz vor einer emotionalen Eruption. In die Mangel genommen von Parasiten der guten Laune.
Der Begriff ist Dir neu? Dabei handelt sich um eine Gattung Mensch, die hinter jeder noch so kleinen Ecke Sodom und Gomorrha wittert. Die selbst im Antlitz purer Schönheit noch den Pickel hinterm Ohrläppchen ortet.
Die Hatz nach den letzten Tropfen Fröhlichkeit
Der Glücksparasit begnügt sich jedoch nicht mit der nach innen gerichteten Hassverbreitung. Unfähig, sich am Leben zu erfreuen und zu laben, kolportiert er schlechte Vibes an unschuldige Mitmenschen und mutiert zum schwarzen Loch der guten Laune.
In meinem Fall handelt es sich um eine hessische Reisegruppe, die in Anwesenheit des eingeborenen Fahrers über dessen Landsleute wettert, dass sich die Bus-Balken biegen. Was der bettelarmen Bevölkerung einfiele, arme europäische Vergnügungsproleten um ein paar Cents zu bescheißen. Dass am Buffet natürlich mal wieder keine Leberwurst vorrätig war und dass man sich den Anblick der im Müll spielenden Kinder mit einer anderen Route sicherlich hätte sparen können.
Knoblauch für die Seele
Stooooop! Brüllt mein Unterbewusstsein. Kurz vor vollkommener Blutarmut bekomme ich meinen Walkman zu greifen, hechte durch die Reihen und bekämpfe das Rudel mit dem einzig probaten Gegenmittel: positive Gegenschwingungen aus den historischen Lautsprecherboxen. Welcher Schunkler wäre dazu wohl besser geeignet als Why can’t we be friends von War. Ich tanze mich in einen derwischartigen Trancezustand und zelebriere den nicht enden wollenden Refrain. Der Mob ist entsetzt… und stumm. Herrlich stumm. In friedlicher Verstörtheit bringen wir die Fahrt zu Ende.
Der Parasit selbst ist durch solch’ sanfte Exorzierungsmaßnahmen meist nicht mehr zu retten. Er hat sein Gehirn bereits durch jahrelanges Unwohlsein weichgekocht wie einen Brokkoli im Kochtopf einer Unimensa. Doch zumindest die übrigen armen Seelen an Bord sind nun von einer knoblauchartigen Abwehrschicht aus Bass und Trompeten umgeben. So lautet mein abschließender Apotheken-Rundschau-Ratschlag: Eine daumendicke Dosis Funk ist die beste Prophylaxe gegen Seelen-Parasiten jeglicher Art. Lass rollen…
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Yours truly

9x
Immer wieder schön. Funkprophylaxe. Da sagst was.
; )…ach es ist einfach die beste Lektüre vor dem Schlafengehen…die Texte sind vollkommen
Herrliche Geschichte. Habe die “derwischartige Trancezustand”-Einlage bildlich vor Augen… einfach köstlich! :-D