Beim Betrachten zahlreicher, vergilbter Blätter meines Archivs der Schrulligkeiten dürfte dem aufgeweckten Leser nicht entgangen sein, dass mir der Artenschutz des bedrohten Genres “Welthits auf deutsch entstellt” ganz besonders am Herzen liegt. Und auch das heutige Tape möchte diesem Blumenstrauß an akustischen Verballhornungen ein weiteres, zartes Pflänzchen hinzufügen.

Da sich das Fest des Lamettas und der blinkenden Glamourdeko wieder einmal bedrohlich nähert, darf heute die goldene Stimme aus Prag einen Zehnlitereimer Schmalz über den Rolling Stones auskippen. Der Karel, der Gott! Das blühendste Beispiel deutscher Integrationspolitik seit 1963. Nicht einfach nur Nachsingen, sondern ordentlich Pathos nachbuttern soll heute die Devise sein.

Akustischer Barock aus Tschechien

Dass man einen derartigen Rockmeilenstein wie Paint it Black in solch’ eine musikalische Sachertorte verwandeln kann, hätte ich in meinen intimsten Träumen nicht mal dem Pompösspezialist Gott zugetraut. Aber Showbusiness ist halt Schaubissness und die Damen haben’s eben gerne etwas schmachtiger, das kann man dem “Sinatra des Ostens” nicht verübeln.

Ganz im Gegenteil, soviel Schmalz kann auf die Dauer auch enervieren. Wahrscheinlich sitzt der Arme nachts greinend im Keller und hört Marduk rückwärts aus besonders alten tschechischen Boxen, weil ihn der Prunk und der Pathos abgestumpft haben wie einen alten Bleistift. Aber genug der Träumereien. Was sind schon die torkelnden Mutmaßungen eines alternden Spötters gegen das Rotkelchen aus Prag, gegen die Vorfreude auf das Fest der Liebe und den passenden Soundtrack dazu. Ich gebe ab an Gott …


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins