Am heutigen Tage will ich in Ermangelung aktueller Anlässe einen mächtigen Brückenschlag wagen: von der Atomkraft hin zur Musik. Auf den ersten Blick haben wir es hier mit zwei gänzlich unterschiedlichen Paar Stiefeln zu tun. Doch die scheinbar so ungleichen Schwestern verbindet ein gemeinsames Muttermal: die Wiederaufbereitung.

Wie in der Atomkraft, so ist die Wiederaufbereitung auch in der Musik ein gängiges Verfahren, um Verglühtes wieder zum Strahlen zu bringen. Und so will ich es mir zunutze machen, um den Reaktor einer alten Liebe wieder in Gang zu werfen. Meiner Liebe zu Melancholie.

Die Moll-Töne unserer Seele

Vor langer, langer Zeit gestand ich einst meine Zuneigung zu gelegentlichen, melancholischen Stimmungen, jenen Moll-Tönen unserer Seele. Diesen Liebesschwur will ich an Ort und Stelle durch einen wiederaufbereiteten, musikalischen Brennstab zum Glühen bringen. Au Revoir Simone, drei Damen aus Brooklyn, sind die Produzenten des eigentlichen Rohlings. Bereits der Bandname erscheint mir wie ein in Fässern voller Schwermut getränkter Schwamm. Doch es kommt noch dicker.

Nach Verlassen der schwedischen Aufbereitungsanlage von Jens Lekman erstrahlt der Track Shadows in noch festlicherem Glanze. Herr Lekman bastelt uns einen musikalischen Jahrmarkt zusammen und die Engelszungen der drei Brooklyneusen erledigen den Rest. Ein zuckersüßer Brennstab voller Melancholie aufbereitet vom Feinsten. Lass rollen und schmilz’ dahin…


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins