Die größte Herausforderung für einen Musikanten, der sich ganz der instrumentalen Musik gewidmet hat, liegt meiner Meinung nach in der Hatz nach ordentlichen Titeln für neues Liedgut. Manch ein musikalischer Maestro mag an dieser Probe zerbrochen sein: Da hat man sein persönliches Carmina Burana in einem geburtsähnlichen Schaffensprozess quasi aus sich herausgeschwitzt, aber es will einem partout kein anständiger Name für das Kind einfallen.

Filmstreifen in der Schädeldecke

Ein gern genommener Ausweg aus diesem kreativen Teufelskreis bietet die instrumentale Hirnprojektion. Das Rezept ist denkbar einfach: Man benennt ein Stück nach der erst besten, schnöden, unschuldig, aber doch irgendwie lässig klingenden Alltagssituation, die einem aus dem vorderen Hirnlappen herauspurzelt. Und schnipp! Schon projiziert sich das Hirn des Zuhörers kleine Filmstreifen in die Schädeldecke.

Ich hätte mir wohl kaum in den ersten Zeilen einen Wolf formuliert, ohne ein passendes Beispiel aus dem Hut zaubern zu können. Daher möchte ich Dir gerne Alan Hawkshaw ans Ohr legen, seines Zeichens Spezialist auf diesem Fachgebiet. Sein Girl in a sportscar könnte als Musterstück in die Analen eingehen denn bereits beim Niederschreiben der vier kleinen Worte zündet mein Phantasieorgan. Der schrullige Soundteppich von Mr. Mohawk tut den Rest. 

Trompetenloops und Bikiniaussicht

Zu liebkosenden Trompetenloops verfolgt meine hirninterne Heli-Kamera ein quietschiges Cabriolet über eine entlegene Küstenstraße. Im Fahrtwind wedelt eine ausladende Föhnfrisur. Die Aussicht auf einen ohrenbetäubenden Bikini blitzt durch den Rückspiegel und eine schnippisch geaschte Zigarrettenasche huscht an der Kameralinse vorbei. Mein lieber Scholli, ich muss mich wirklich zügeln. Diese Geschichte steht dann doch auf einem anderen Blatt. Also lass rollen und genieß den eigenen Filmdreh…


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins