Vor geraumer Zeit eskortierte ich einen Freund auf einer fragwürdigen Lesereise. Offiziell beschäftigte er sich zwar mit “praktischer Philosophie”, jedoch meist mit dem inoffiziellen Ziel wohlhabende Witwen in Geldfragen schwierigen Lebensfragen zu beraten.
Grund der Pilgerfahrt war die Veröffentlichung seines Buches “Das Müsli im Halbschatten” und ich war als Arsch für alles Tontechniker und Roadie mit von der Partie. An einem eher durchwachsenen Abend hatte er – entgegen seiner richterlichen Auflagen – die Lesung wieder einmal mit einem Schuss in die Saaldecke beendet (“Um Sinn zu stiften”, wie er nimmermüde betonte). Wir schafften uns den cholerischen Veranstalter mit atemberaubenden Erklärungsversuchen vom Hals und flohen hinaus in die Nacht …
Leidgeplagt und fern der Heimat
Wie immer in solchen Nächten, wenn sich im Rotwein, der durch unsere Venen lief, nur noch wenig Blut befand, flossen wir die Bahnhofstraße irgendeiner Stadt hinunter. Enthemmtes Starren in vorbeimarschierende Ausschnitte wechselte sich ab mit Weinkrämpfen über das Elend der Welt im Allgemeinen. Und das Unsere im Besonderen. Abende an denen sich Weltschmerz, albernes Gequatsche und ein latenter Hang zur Entblößung die Klinke in die Hand geben. Das wahrhaftige Tourleben, ein echtes Tabuthema für Biographen großer Künstler.
Erlösung im Dönerhimmel
Gegen 4 Uhr morgens konnte ich meinen literarischen Gefährten endlich davon überzeugen, Tony Marshalls Namen nicht an eine Kirchenwand zu sprühen. Ausgezehrt von den nächtlichen Strapazen betraten wir den erstbesten Döner. Das Rückgrat aller nächtlicher Nahrungsengpässe einer ganzen Nation. (Ob das im Kanzleramt bekannt ist?) In jenem Döner lief aus fettverklebten PC-Boxen das heutige Tape. Habibi, was auf Arabisch soviel bedeutet wie Geliebter oder Freund, ließ uns binnen Sekunden den Weltschmerz vergessen.
Schnell waren die neonbeleuchteten Tische zur Tanzfläche erklärt. Raus mit all dem Ärgernis und dem Selbstmitleid. Wir waren die Travoltas der Imbißbude. Nach viereinhalb Minuten war das Lied zu Ende und die Polizei traf ein. “Habibi!” rief ich dem Dönerkoch zu, als man uns hinaustrug…
Tape als MP3
Yours truly

9x
geiles Teil !
Aaaah, da bekommt man doch Appetitt auf ein lecka Dönnna mit schaff un Allem!
Sosss Jung Ge?
körfez ayran - original türkische art