Der fachkundige Leser mag es auf der ein oder anderen Seite meines musikalischen Tagebuches herausgelesen haben: Das Thema Liebe ist nicht unbedingt eine Kaserne, auf der ich als Feldwebel schlaue Ratschläge erteilen sollte. Tiefe Narben der Enttäuschung pflastern den langen, sich windenden Weg zu meinem kleinen, treuen Herzen.

Und doch muss ich es wagen und meinem ungeborenen Stammhalter zumindest einen unbedeutenden Wink in Sachen Liebesleben mit auf den Weg geben. Schließlich ist doch die Musik der schnellste Weg auf die Matratze Schlüssel zum Herzen einer holden Dame.

Schnulzen sind wie die Nationalhymne

Denn es ist verzwickt mit den Schnulzen! Die meisten dieser Gattung, die es verstehen das Herz einer graziösen Jungfrau zu erweichen, erzeugen beim genaueren Hinhören oftmals Würgereiz. Und textlich gesehen kann man das meist schon gar nicht unterstreichen, was die Roland Kaisers dieser Welt den Damen so alles an den Latz dichten. In musikalischen, amourösen Situationen fühlt man sich daher meist wie ein Spieler der deutschen Nationalmannschaft beim Singen der Hymne. Lautstark in die Kamera grölen mag man solch’ Texte nicht unbedingt.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Doch ich glaube im Zuge meiner langjährigen Studien auf eine Ausnahme gestoßen zu sein. Ausgerechnet Capleton, der normalerweise mit Bass-und-Brüll-Hymnen presslufthammermäßig die Tanzflächen bearbeitet, zeigt sich mit In your eyes von seiner samtigen Seite. Der gute Mann trällert als hätten seine Hosen Feuer gefangen. Mit einer Maglight, einer ausgedienten Discokugel und diesem Tape bewaffnet, steht einem musikalischen Flitterabend nichts mehr im Wege. Beim illuminierten Liebeswalzer bestrahlt man mit angeklebter Taschenlampe die glitzernde Kugel und lässt sich von der Reibeisenstimme streicheln. Wer könnte da noch widerstehen? Ich jedenfalls nicht…


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins