Pünktlich zum Einsetzten hochsommerlicher Temperaturen packt mich ein innerer Instinkt an den Hörmuscheln und treibt mich in den karibischen Flügel meiner Plattensammlung. So auch in diesem Jahr, wobei ich zu meiner großen Freude eine Audioperle wiederentdecken durfte, die mich auch linguistisch am rechten Platzerl trifft. Aber um das zu erklären, sollte man schon etwas weiter ausholen. Also wo fangen wir an? Richtig, bei der Sprache an sich.

Schrullige Sprachmutationen

Sprache ist zwar von Hauptberuf Kommunikationsmittel, sie ist aber auch ein Spiegel der Kultur, aus deren Schoß sie entstammt. Somit formen sich aufgrund lokaler Mutationen in jedem Dialekt einzigartige Wortgebilde, die gleichwohl beim Sprung auf das internationale, linguistische Parkett wegen fehlender Massentauglichkeit kläglich scheitern. Beispielsweise kann der japanische Sprachraum mit stolzer Brust auf das exklusive Verb “tsuji-giri” herabblicken, das übersetzt soviel bedeutet wie “ein neues Schwert an einem Passanten ausprobieren”. (Dank gilt Adam Jacot de Boinod mit seinem Buch Tingo für die Rettung des Begriffs)

Aber auch in der Karibik und den ortsansässigen Lokaldialekten findet sich ein großer Schatz an Dialektsperrmüll. So fristet ein grandioses Verb auf Jamaika und Umgebung zu Unrecht ein Schattendasein. Umso besser dass Sugar Minott dem Begriff eine Hymne gewidmet hat, die einem obendrein auch noch die Sonne aus dem Popo scheinen lässt. Nice it up heisst der Titel und auch die besagte Floskel. Was für ein Satz! Verfassungen sollten mit diesen drei Worten beginnen! Übersetzen lässt sich das wohl am besten mit “Versetzen Sie sich bitte in eine positive Stimmung”, “Freu Dich doch mal anständig” oder “Lass hupen!”.

Integration einer Redeblume

Ja, das klingt in der Sprache von Goethe und Schiller weitaus beschissener bzw. verfügt einfach nicht über die so bitter nötige, karibische Gelassenheit. Denn passend zum Thema schunkelt mich der Track im Sekundentakt in gute Laune bis ich mich meist wippend in der Sonne sitzend wieder finde. Ich möchte daher öffentlich für die Integration dieser Redeblume in den deutschen Kulturkreis werben. Also bitte: Lass rollen das Ding und äh richtig … Nice it up!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins