Es sind noch nicht allzu viele Monde aufgegangen seitdem in Buenos Aires meine Aussteigerträume unter den Trümmern meiner holzgetäfelte Straßenbar begraben musste. Ein zunächst ekstatisches, später dramatisches Techtelmechtel mit der Tochter eines ranghohen Polizeibeamten hatte einige Steine ins Rollen gebracht. Es blieb mir nur der Weg zurück in die Heimat. Nach einer langen, schwermütigen Heimreise auf dem Containerschiff Aurora - ich hatte mich mithilfe eines indischen Kombüsenjungen eingeschifft - versuchte ich schwermütig wieder in den düstergrauen deutschen Gefilden Fuß zu fassen.
In einem verrauchten Kellergewölbe voller Hornbebrillter Frauen und Männer beschloss ich schließlich meinen Grisgram einfach wegzutanzen. In diesem gedanklichen Polaroid meines Lebens traf mich das heutige Tape zum ersten Mal. Mir wurde spontan bewusst: Es ist verdammt nochmal fantastisch wieder hier zu sein.
High ohne Laufen
Einen Brandy in der rechten und mein klitschnasses Hemd in der linken Hand, wurde ich Teil einer wabernden Partycrowdemulsion, die den ganzen Raum vereinnahmte, jeden darin verschluckte und als kollektiv zuckendes Ganzes wieder ausspuckte. Fünf Minuten dauerte der Spuk, einem gemeinschaftlichen Runners High gleich.
Ich fand ich mich in den Armen eines glatzköpfigen, in Leder gewandeten Herrenpärchens wieder, das mich freundlicherweise aufgefangen hatte (nicht ohne dabei einige meiner Körperteile einer haptischen Prüfung zu unterziehen). Ich war gereinigt vom Schmerz und küßte die Tanzfläche fast eine ganze Minute lang französisch.
German Tugend strikes
Man kann diesem Land wahrlich viel nachsagen. Was man hierzulande jedoch wirklich ausgezeichnet beherscht, ist das Zusammenschrauben enorm fesselnder elektronischer Musik. Das Allstartrio Moderat, bestehend aus Apparat und Modeselektor, ist der Rollercoaster im teutonischen Elektrowunderland. Mal peitschen sie Dich auf die Tanzfläche, mal schleppt sich hypnotisches Düstergewummer durch den Raum, und plötzlich kommt der Sänger von Seed zum Gastauftritt vorbei. Ein Hoch auf die elektrische Heimat!
Tape als MP3
Yours truly

9x
vom containerschiff in diesen gewölbekeller- und dann dieses lied—> was für ein empfang !
Klingt wie Sex im, am und unterm Bett!
Klingt wie Gin Tonic intravenös.
Herrliche Musik! Hab mir gleich das Album gekauft. Rusty Nails eignet sich hervorragend um dabei aus dem Zug auf die vorbeifliegende Landschaft zu starren. Aber Nr. 22 hält definitiv die Tanzfläche in Bewegung…