Mir war, als hätte jemand in meinem Kopf auf Verlauf löschen geklickt. Ich hatte keine drei Stunden geschlafen und versuchte die letzten Tropfen Kaffee aus einer Tasse zu pressen, mit der ich ungeplant im Schneidersitz entschlummert war.
Wer bin ich und wie viele?
Sieben Anrufern war ich mittlerweile als momentan nicht erreichbar gemeldet worden, aber an Konversation war nicht zu denken. Tumbleweed kullerte durch die geistige Steppe meines Großhirnlappens und ich spürte eine starke Sehnsucht nach den majestätischen Kissenbergen meines Schlafgemachs. Also nichts wie raus hier…
Die Luft fühlte sich angenehm scharf an. Wie das eben so ist, wenn man einen waschechten Kater an der Backe hat und der Mund versucht den Gusto alter, nasser Wollsocken zu imitieren. Ich war mir meiner dritten Brustwarze wehenden Fahne wohl bewusst, als ich versuchte mich in die Fahrerkabine meines Bullis zu manövrieren. Offensichtlich war die Feinmotorik noch auf Standby, denn ich klemmte mir kunstvoll die Haare in der Fahrertür ein. Beim Barte Odins! Jedoch verstummten meine Verwünschungen beim Blick in den Rückspiegel.
Wer ist diese Frau?
Auf der mittleren Rückbank lagen eine Tüte Walnüsse und eine Frau, die sich Stunden später als Staatsanwältin entpuppen sollte. Beide konnten unmöglich zu mir gehören. Ich mag weder Walnüsse noch Staatsanwälte. Als überzeugter Philanthrop und Walnussfreund ließ ich die beiden Tramper süß weiter schlummern und drehte behutsam den Schlüssel um.
Erst als vom Rücksitz Schnarchgeräusche meine meditative Ruhe zu stören drohten traute ich mich, den Knopf des Tapedecks zu drücken, um die Musik in die Fahrerkabine strömen zu lassen, die Dir in solchen Situation verdammt nochmal den Arsch rettet.
Thank you Mr. Brown
Kaum ein anderer kann meine Katergefühle besser auf Vinyl pressen als der gute Ian Brown. Der Morgennebel über den Hängen riss kurzzeitig auf als die einsetzenden Bläser von The sweet fantastic mit den sechs Zylindern meines T1 in einen meditativen Kanon einstimmten. Mit dem Blick eines traurigen Orang Utans säuselte ich beömmelt den Refrain: “I feel fantastic!”
Als die fremde Juristin schließlich ohrenbetäbuend über meine Rücksitzbank vomierte schwor ich mir zum letzten Mal: Nie wieder Mühleabend mit lecker Likörchen bei Oma Schmitz!
Tape als MP3
Yours truly

9x
was für eine tolle geschichte doc.
bestell doch oma schmitz ma viele grüße-sie hats wohl wieder gut mit dir gemeint ;-)
Das passiert, wenn Schmitz Katze zu Schmitz Kater wird. Muahahaha.
sehr schön, und so aus dem leben gegriffen.
ich freu mich auf die fortsetztung, wenn die juristin merkt, das du nicht der oberstaatsanwalt bist….
oder vielleicht endet es ja wie bei soulkitchen: du hast den staat gefickt? ok, dann wird dich der Staat jetzt ficken. - I dont hope so -
go on with the flow
Alles schön im Fluss… Geschichten die das Leben schreibt bleiben doch die Schönsten!