Wenn die Werte aus der jugendlichen Sturm-und-Drang-Phase plötzlich an den Rändern ausflocken wie Schlagsahne im Badewasser, ist das der sicherste Garant dafür, dass man - egal, was der Ausweis sagt - “erwachsen” wird. Rückt man mit Geväterchen Tod auf der Parkbank des Lebens etwas näher zusammen, so sorgt das nach meiner Erfahrung im Umgang mit vielen Dingen für konstruktive Gelassenheit.

Früher war weniger Egal

Ich hatte mir als Jugendlicher (irgendwann zwischen Sputnik-Schock und Take That) diverse heilige, teilweise verblendete Maximen auferlegt, die ich nie, aber auch niemals zu brechen bereit gewesen wäre.

Die Tatsache, dass ich viele dieser Maximen vergessen habe, spricht nicht gerade für meine Integrität, ist aber noch lange kein Grund um Grisgram zu blasen. Denn allzu knusprig können viele davon nicht gewesen sein. Niiieemals deutschen Elektropop gut zu finden, war beispielsweise eine der eher verblendeten Sorte. Ein Glück, dass sich meine Kantsche Strenge mit dem Anwachsen meines Bauchumfangs ebenfalls etwas gelockert hat.

Hausschuhwarme Sounds

Ist das jetzt traurig oder nur einfach weltoffen? Wahrscheinlich beides. Nichtsdestoweniger lasse ich mich in diesen Tagen durchaus gern einmal von deutschem Elektropop umgarnen, bezirzen und befummeln. Beispielsweise vom heutigen Tape aus der Feder von Oliver Koletzki, der zwischen Klapperclubbeats gerne hausschuhwarme Melodiefragmente streut und so den perfekten Soundtrack für die Zeit dazwischen liefert. Also einfach mal fünfe grade sein lassen und auf Maxime scheissen. Olè!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins