Sich zu überfressen, also der sympathischen Todsünde der Völlerei zu frönen, ist in unserer Gesellschaft mehr als verpönt. Dicke Menschen werden verspottet und verstoßen, das Diktat des schlanken Idealmaßes kürzt Speisepläne auf mathematisch durchkalkulierte Kalorieneinheiten herab.

Aus der Soßenkelle des Lebens

Wer sich zum überbordenden, ausschweifenden Genuß bekennt, begibt sich in die Gefahr zum sozialen Außenseiter zu werden und mit anderen gestrandeten Existenzen vor der Currywurstbude die letzten Fettaugen aus der Soßenkelle des Lebens zu schlecken.

Aber nicht mit mir! Ich lasse mir grenzenlosen Genuß nicht verbieten. Denn der Gipfel aller Mittelmäßigkeit ist ja wohl die Fähigkeit Vergnügen hintenanzustellen. Zudem meinte es Väterchen Schicksal gut mit mir: Ich durchlief, während meiner Gesellenzeit in einem ungarischen Wanderzirkus, eine harte, kulinarische Schule. Seitdem stecke ich auch maßlose Freßattacken relativ gut weg.

Akustische Schlemmerplatten

Auch das heutige Tape könnte man der Völlerei bezichtigen. Denn You turn me cold klingt, als hätte es sich an einem akustischen All-you-can-eat beteiligt und sich einen um den anderen Teller vollgeschaufelt. Besonders der Bass und die Beatmachine kleistern uns einen schweren Bratenfond auf die musikalischen Schlemmerplatten, dass es eine Freude ist.

The Slew (unter anderem Kid Koala) sind nicht nur musikalisch besonders lecker, auch ihre Releasepolitik ist vom Feinsten: Zwar liegt die Scheibe auf Vinyl in den Plattenläden Deines Vertrauens, nichtsdestotrotz hatte man aber das gesamte Album auf der offiziellen Website umsonst zum Download bereit gestellt. Heute ist sie leider schon wieder weg. Nichtsdestotrotz unglaublich, das Ding kann alles.

Ein Hochgenuss, von dem man mit vollen Kellen naschen kann. Lass es Dir ordentlich schmecken und scheiss aufs Idealmaß!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins