Es war einmal eine Zeit, in der die Menschen noch vom amerikanischen Traum träumten. Lange bevor George Dabbelju die Chance erhielt, das Ansehen der Weltmacht ordentlich in den texanischen Kakao zu tunken.

In dieser Zeit der Unschuld war es in unseren Gefilden üblich, amerikanisches Liedgut schamlos zu kopieren. Melodien, Kleidung und Vornamen wurden dreist abgekupfert. Nur unter einem Aspekt war man den Vorbildern überlegen: Den Texten. Die wurden in unterirdischen Geheimlaboren unter Einfluss von Psychopharmaka und mit sprachlichen Höchstleistungen auf Deutsch gebürstet.

So entstanden schrullige Perlen der Extraklasse. Gefangene zwischen zwei Welten. Amerikanischer Rock&Roll mit einem Sahnehäubchen aus schrulligen, deutschem Text. Diesen Zwitterwesen sei der heutige Coverclash gewidmet.

A-Seite: Ted der Mädchenheld

Den Anfang macht ein ganz großer unter den “Raubkopierern”. Einer der strahlenden Helden der damaligen Landjugend: Ted Herold. Ein Mann mit Tolle, der sagenhafte Texte zum Besten gab. Neben dem Standardwerk Ich bin ein Mann, der meine Selbstfindung stark prägte, coverte er eine Vielzahl von Klassikern.

Darunter auch The Wanderer. Mit Zeilen wie “Viele Boys beneiden mich. Denn sie wären gern’ wie ich.” trällerte sich der gute Ted in mein Herz hinein. Ich darf bitten…


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B-Seite: John der Mädchenschreck

John Dattelbaum legt nach. Ja. auch hier ist der Name Programm. Ich möchte explizit auf die rollenden R-Laute hinweisen, die Sir John aus seinem Konsonanten-Baum schüttelt. Ein phonetisches Feuerwerk der Gefühle. Er kümmert sich textlich um Runaway und verarbeitet damit seine schwere Jugendzeit als Mädchenschreck. Lass rollen…


Tape als MP3

Unterm Strich

Beide Gegner sind sich heute mal wieder ebenbürtig. Die Vorlagen sind qualitativ hochwertig und die Übersetzungen verhalten sich dazu kontrair schrullenhaft. Eine tolle Mischung! Und wieder einmal ist die Welt ein besserer Ort. Es lebe der Rock’n’Roll!

Yours truly

Dr. Diggins