Mit fortschreitendem Alter senkt sich die Anzahl der Getränke rapide, von denen man noch vor Kurzem angenommen hatte, man würde sie “vertragen”. Diesen Stalaktiten der Zeit, der sich mahnend über meinem Haupt manifestiert, blende ich dank maßloser Selbstüberschätzung jedoch größtenteils aus.

Hausverbot in Miederwarenläden

Alle Jahre wieder schaukle ich daher jelzinesk durch die Nacht. Flankiert von der Laufkundschaft des Lebens und Partybrüdern der ersten Stunde stürzt man sich von einer Grogrunde in die Nächste.

Meist geht das für alle Beteiligten glimpflich aus. Gut, ich wurde einmal pünktlich zur Morgenröte singend aus einem benachbarten Gewächshaus getragen und in drei exquisiten Miederwarenläden in Rostock habe ich lebenslänglich Hausverbot. Doch was sich zur gestrigen Dämmerstunde ereignete, sollte mir wohl ein für alle mal ein Denkzettel des Schicksals sein.

Electronischer, sozialer Super-GAU

Als ich gegen 17:00 Uhr im Leopardenbademenatel auf der Ottomane erwachte, nach Ouzo riechend und ohne meine Sonnenbrille (sic!), fiel mir auf, dass meine EDV-Anlage mein Computer immer noch munter vor sich hin rechnete. Eine grauenvolle Vorahnung trieb mich ins gleißende Licht des Schirms wie eine Motte ins Licht billiger Neonröhren.

Der Abbild von fünfzehn ungelesener Mails am Tag sind darauf nichts Ungewöhnliches. Zieht man die elektronischen Postwurfsendungen der Genitalvergrößerungsbranche ab, bleiben mir im Durchschnitt drei bis vier lesenswerte elektronische Postkarten übrig.

Gestern jedoch warteten beachtliche 76 Briefchen darauf, von mir gelesen zu werden. Teilweise adressiert von sehr alten Bekannten und Schulfreunden. Alle mit dem frappierenden Betreff: “Re: Du dume Pottsau!” Ein sozialer Supergrau.

Ich hatte tatsächlich in alkoholischer Umnachtung an alle Kontakte eine fiktive Hass-E-Mail versandt, die ich vor Wochen aus Langeweile für Sarah Connor aufgesetzt hatte. Mein Gott, ich hatte mich bereits im Betreff verschrieben!

Heidekräuter und Hibiskus

Nun sitze ich hier, trinke Mate aus einem Putzeimer und warte darauf, dass Gras über die Sache wächst. Besser wären ein paar Sträucher, Heidekräuter, Hibiskus und etwas Flieder. Lediglich eine Tatsache baut mich in dieser schweren Stunde auf: die fabelhafte Musik von Gizelle Smith. Besonders ihr Track Working Woman hilft dabei, alles zu vergessen und sich in tanzenden Bewegungen vor der Musikanlage einzufinden. Ich darf zum Tanze bitten …

Um diese fantastische Musik zu hören brauchst Javascript und den neuesten Flash Player! Sei doch so nett und installier’ den mal

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Yours truly

Dr. Diggins