Irgendwann sieht man in den Spiegel und merkt, dass der kleine Frechdachs, der da zurück lacht, ganz schön bärtig und reich an borstiger Ohr- und Nasenbehaarung geworden ist. Erfreulich ist das für die wenigsten, denn mit dem Vergehen der Jahrzehnte reiht sich Rettungsring an Rettungsring, bis man nackig so aussieht wie das Michelinmännchen. Ab diesem Zeitpunkt vermeidet man dann öffentliche Bäder.

Alles war früher besser! Sogar Heino war früher besser!

Schlimmer noch als der Verfall des Fleischlichen ist der Verlust von Werten und Idealen, die man - besonders im Nachhinein - mit einer Epoche verknüpft. Als Kind zum Beispiel war ich großer Verfechter des Antialkoholismus. Und seht mich heute an! Ich spüle mir morgensd die Zähne mit Malteserschnaps aus! Aber Spaß beiseite: Am traurigsten ist es jedoch, dass Menschen scheinbar über die Jahrzehnte hinweg verlernen, wie man anständige Musik macht. Ganz bestimmte Musik natürlich.

Jedenfalls ist das die offizielle Lehrmeinung der geistig Faulen. Blues, so heißt es, war nur in den mittel- bis halbspäten 50ern wirklich gut. Eigentlich ist der allerbeste Blues im August ‘56 entstanden. Alles, was danach kam, war nur noch Leichenfledderei. So oder so ähnlich kann man es allenthalben von denen hören, die nicht bereit sind, ihre Ohren dem Neuen hinzugeben. Schade eigentlich, denn nur so entdeckt man wahre Prachtperlen, wie unser heutiges Tape.

Zero’s Soul sounding like sixties Soul

Mayer Hawthorne macht Soul, wie man ihn nur aus kruden Jahrzehnten des letzten Jahrtausends zu kennen glaubt. Der bebrillte Herr spielt alle Instrumente selbst ein und trällert dazu Selbstkomponiertes, das herrlich dazu einlädt, sich endlich einen Röhrenverstärker zu leisten. Morgen kommt das Album raus. Darauf auch die heutige Schnulze, deren limitierte 7inch schon heute 20€ kostet. Ist ja auch in Herzchenform. Lass rollen das Ding…


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins