Down and out in Milan
Anno 1969 hatten sich Chantal und ich in einem kleinen Penthouse hoch über den Dächern Mailands eingemietet. Ich hatte mir zu diesem Zeitpunkt eine schwere Amarettosucht eingefangen und Mailand war Ende der sechziger DIE Stadt für alle, die dem pampigen Gebräu anheim gefallen waren. Morgens wälzte ich mich oft schon vor Sonnenaufgang aus den zu einem vielsagenden Knäuel verstrickten Laken und schlängelte mich durch die Vespas hindurch zu dem einzigen Kiosk, der um diese Zeit schon offen hatte.
Chantal war Actrice, so nannte sie das jedenfalls. Ich habe nie so richtig verstanden, wenn sie mir auf französich von ihrem Beruf erzählte, ich glaube sie war U-Bahnschaffnerin oder sowas. Jedenfalls sahen wir uns eigentlich nur drei bis vier Stunden täglich, was kaum Zeit für tiefsinnige Gespräche bot. Man konnte das eine sehr körperbetonte Beziehung nennen.
Let’s go to the movies
Nur der Sonntag, ihr einzig freier Tag, war für Kino und Flanieren reserviert. Ich mischte Weißwein unter den Amaretto, um ihn zu verdünnen, damit ich nicht während des Filmes einschlief. Meistens passierte es trotzdem. Bis auf das eine Mal, als wir den Film 99 Donne sahen. (Auf deutsch heißt das 99 Frauen, aber der deutsche Titel lautet allen Ernstes Sex im Frauengefängnis - auf was die Leute alles kommen!) Die Musik von Bruno Nicolai, einem stilistisch nahen Verwandten von Ennio Morricone, hielt mich die kompletten 90 Minuten wach.
Hört euch diese Perle an! Fantastische Sleazybeats, Funk und Jazz tummeln sich auf dem Soundtrack. Wahnsinn! Einen Amaretto auf euer Wohl von eurem Doc.
Um diese fantastische Musik zu hören brauchst Javascript und den neuesten Flash Player! Sei doch so nett und installier’ den mal…
Yours truly

9x
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