Heute darf ich mal wieder selbst Musik aufwickeln. Und das ist wichtig denn das heutige Tape liegt mir seit Langem auf der Zunge. Gewidmet ist es einem guten Freund, den ich um 1974 kennen lernte.

Exzentrik aus der Eck-Kneipe

Was ich verdammt nochmal an ihm schätzte war seine Exzentrik, gegen die sogar Klaus Kinski schwer anstinken konnte. Er bezeichnete sich selbst als Karpatenplayboy, begrüßte jegliche Form mentaler Transformation und war primär in der Eck-Kneipe in unserem Kiez zu finden. Diese wurde von ihm wahlweise als Bühne, Speakers Corner, Therapiezentrum oder Waschplatz genutzt.

Es war eine besondere Form von Exzentrik. Eine liebenswürdige. Eine die man schwer ernst nehmen konnte. Und doch ertappte man sich zeitweise dabei seinen schrulligen Theorien und Geschichten Glauben zu schenken.

Eine seiner liebsten Behauptungen war, dass er schon genug von der Welt gesehen habe, um behaupten zu können, dass sternklare Vollmondnächte rechts vom Suezkanal gänzlich überschätzt würden. Diesen großartigen Satz hatte er jedoch schamlos einer weitaus bekannteren Diva geklaut, die für das heutige Tape musikalisch zuständig ist.

Die große Hilde

Denn welches Lied könnte besser zu Ihm passen als Ich brauch’ kein Venedig von der großen Hildegard Knef, aus dem er das Zitat wohl gestohlen haben musste. Groß ist übrigens ein Adjektiv, welches man unbedingt bringen muss wenn man über die Knef spricht. Die große Knef. Anders geht das nicht. Sie verwöhnt uns mit einem zauberhaften Text:

Ich brauch’ kein Venedig,
keine Gondeln und Tauben,
und selbst die Zitronen
solln ohne mich blühn…

… Ich brauch’ meine Straße,
die muffige Kneipe,
ich brauch’ meine Beichten
beim Nachtklubportier.”

Der große Gert

Untermalt wird Hildes Sprechgesang von Gert Wilden und seinem großartigen Orchester. Herr Wilden zeichnete sich unter anderem für die Soundtracks von Heidi und der Schulmädchenreport Reihe verantwortlich. Eine Kombination, die auch dem Karpatenplayboy ein Schmunzeln entlockt hätte.

Sagen kann ich ihm das obgleich nicht mehr. Das letzte Mal als ich ihn lebend antraf war Ende der 70er Jahre. Nach einem auschweifenden Monolog über das Verhältnis von körperlicher Liebe zum Hosenanzug verließ er gegen 3 Uhr nachts die Theke um “in Rom zu frühstücken”. Seitdem durfte ich diese Form der Exzentrik nie wieder erleben. Ich lass’ einfach mal rollen und verdrück’ mir dabei die ein oder andere Träne …

Um diese fantastische Musik zu hören brauchst Javascript und den neuesten Flash Player! Sei doch so nett und installier’ den mal

Tape als MP3

Mehr für Augen und Ohren

… gibt’s wie immer im Fernsehsender der Herzen.

Die große Knef

Yours truly

Dr. Diggins