Die Frage nach dem Sinn, dem Wofür und vor allem nach dem Warum zu stellen erfordert, besonders in der U-Musik, einen gewissen Mut. Die aus ehemals Ostdeutscher Provenienz stammende Ruth Brandin jedoch, wagt diese zu stellen und stellt sich somit in eine Reihe mit Heidegger, Schopenhauer und Nietzsche. Dies allein ist ein kleines Wunder, betrachtet man den geschichtlichen und vor allem politischen Hintergrund, der die Entstehungsgeschichte dieses musikalischen Kleinodes begleitet.
In der DDR war es seinerzeit nicht gerne gesehen, allgemein Gültiges in Frage zu stellen und somit eine so existentielle Frage wie das titelgebende “Warum” fast undenkbar. Ruth Brandin jedoch bedient sich eines Kniffes, der Reminiszenzen an das scharlachfarben in der griechischen Sonne schimmernde Trojanische Pferd gestattet, indem sie ihre an den Existentialismus anknüpfende Frage in eine scheinbar harmlose Anklage gegen zuviel Zeitkolorit und Anglizismen in der deutschen Sprache hüllt.
Warum sagst Du nicht Ruth zu mir?
Warum nennst Du mich Daisy?
Warum mag ich Dich crazy?
Warum?
Doch hören wir bei eingehender Studie ihres Textes ein fast enttäuschtes Sic transit gloria mundi heraus und nur mit Mühe können wir uns des Gedankens erwehren Ruth Brandin die Antwort auf ihre Frage zu faxen: Die Antwort ist nämlich, wie könnte es anders sein, 42.
Tape als MP3
Yours truly

9x
Mein Gott! Danke für diese tiefen Gedanken und Musik. Der ruthsche Text ist überirdisch.
Diese herrlich unschuldig zweideutigen Lieder konnten wohl nur unter diesen ganz besonderen Umständen entstehen. Unverwechselbares Zeitcolorit, das konserviert werden musste…
Komischerweise erinnert mich das alles hier an einen weinroten 1er Golf namens Ruth. :-)
oha. schlagerperlen dieses kallibers findet man wirklich nur in den dunklen ecken der flohmarktschachteln.
alleine die betonung des wörtchens krääiesie ist den rewind wert.
danke doktore
(auch für den mp3 link)
da funkymc
Es erfüllt mein Herz mit grenzenloser Freude, dass Du solche Textzeilen zu schätzen weißt.
“… Ich bin doch auch nicht unmodern, auch ich hab liebe Worte gern…”
:-)
Frau Brandin hat noch mehr so gute Texte.
Mich hat noch keiner beim Twist geküßt. Ist auch so gut, da werden die vorbehalte der damaligen älteren Generation gegen den “unanständigen Twist” elegant aus den Angeln gehoben.
gruß vom Wolf
“Weil das sehr schwierig ist beim Twist!” :-) Setzt man sich die Brille der heutigen Kidz auf bringt einem die Vorstellung, dass Twist als obszön und unanständig empfunden wurde, schwer zum schnmunzeln.
Fantastisch, Wolf!