Es ist Tag der Deutschen Einheit. Und entgegen der allgemeinen Lethargie, die dieses Land an diesem Tag beherrscht (man freut sich, dass man nicht zur Arbeit muss und verbringt den Tag in Jogginghosen vor dem Fernseher) möchte ich feiern und zur Abwechslung mal ein Tape mit deutschem Text unter meine Zuhörerschaft bringen.

Wie manch einer weiß, pflege ich manchmal in gewissen zwielichtigen Etablissements die Plattenspieler zu belegen. Das hat den Vorteil, dass man endlich mal sichergehen kann, einen völlig Bryan Adams-freien Abend zu verbringen. Außerdem gibts Freibier. Eines schönen Abends zu später Stunde platzte allerdings eine Gruppe Mittvierziger in den Schuppen, alle gehörig angetüddelt, in feinen Zwirn gehüllt und offenbar der letzte Rest einer betrieblichen (Rechtsanwälte? Waffenhändler?) Weihnachtsfeier. Alle waren da: der glatzköpfige Abteilungsleiter, die strohdumme stark geschminkte Sekräterin, der junge Speichellecker Trainee, et cetera. Die Abend drohte zu kippen, denn eigentlich ist dieser Menschentypus nicht die Sorte Leute, die sich an meiner Musikauswahl erfreuen können. Also setzte ich alles auf eine Karte und spielte das heutige Tape. Ich kann nicht behaupten, mir nicht insgeheim ein Loch ins Knie gefreut zu haben, als die gesamte Schickeria zu dem doch recht anzüglichen Text “Bück dich du Stück / Und nenn mich Bruno” die Hüften schwang, offenbar unfähig, ein Wort zu verstehen…

Feinkost Paranoia sind alleine wegen ihres Münchner Dialektes wegen liebenswert und machten Hip Hop, der weder Chartkompatibel noch Gangster-klischeehaft daherkam und sind deswegen eine meiner Lieblingscombos aus dieser Ära deutscher Musikkultur. Einen schönen Feiertag!


Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins