Ich will hier und jetzt mal eine verdammte Lanze brechen. Rein metaphorisch versteht sich. Wer hat schon Lanzen zur Hand wenn man mal eine brechen will. Brechen will ich den Holzstecken jedenfalls für Musik aus Jamaika, die von finsteren Zeitgenossen ganz gerne als Reggaebrei verschrien und zum kotzen gefunden wird.
Doch Schubladendenken verschliesst einem hier leider eine einzigartige Soundwelt. Hört man mal mit offenen Ohren rein in die Schublade, wird man erschlagen von Vielfalt und Genialität.
Es gibt wohl nur wenige Orte auf dieser Welt, die für mehr musikalischen Output sorgen als diese kleine, heisse Insel. Die Qualität ist dabei auch oftmals fragwürdig, doch viel Druck im musikalischen Zapfhahn sorgt eben auch für eine feine Schaumkrone.
Dabei versteht man die musikalischen Inselgewächse um einiges besser, wenn man etwas mehr um die einzigartige Kultur der Insel weiss. Hier vermischen sich Lebensfreude, Politik, Korruption, Religiösität, koloniale und vor allem afrikanische Einflüsse zu einem einzigartigen Eintopf.
Raus kommmt eine wundervolle Musikkultur mit vielschichtigen Stilen und eigenen Ritualen. Wie beispielsweise die eigenwillige DJ Kultur. Besser gesagt Soundsystemkultur. Die entstand in den 50er, 60er Jahren des vorigen Jahrhunderst als einige auserwählte Besitzer lauter Soundanlagen begannen die Straßen mit R&B Platten zu beschallen. Das endete unglücklicherweise manchmal in Schiessereien, meist jedoch in extatischen Tanzabenden. Erst später mischten sich unter die amerkanischen Tapes aufstrebende, einheimische Künstler mit stolzen afrikanischen Einflüssen.
Als Stellvertreter für diese Kultur möchte ich eine Track von Toots und seinen Maytals anbringen, der mich zu extatischen Ausrastern à la Rumpeltilzchen treibt. Toots prägt die ortsansässige Musikkultur seit langem mit seinem eigenen Stil. Noch bevor die Rastafari Bewegung in Fahrt kommt, kurz nachdem sich aus Ska und Rocksteady der etwas langsamer Reggae entwickelt, sorgen die Maytals beispielsweise mit Do the Reggay für den ersten Track, in dem der Stil namentlich erwähnt wurde. Funky Kingston ist ein anderer dieser Klassiker der Maytals, der unter starkem Funkeinfluss steht. Viel sagen muss man dazu glaube ich nicht.
Nur soviel: Es ist für mich beinahe unmöglich beim Lauschen still zu sitzen oder nicht mit zu grölen. Also nicht in die Schublade fallen und reinhören!
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Yours truly

6x
Dankeschön. Das ist Balsam für meine altes, graues Haupt. Vielleicht sollte ich ein bisschen mehr in diese Richtung diggen. Was treibst Du um die Uhrzeit im Netz? Ich hoffe jedenfalls der Track hat Dir zu einem extatischen Tanzabend verholfen.
Keep on Diggin’ …