Boys und girls, es ist mal wieder Zeit für einen Soundclash! Ermittelt wurde das heutige Thema durch ein wildes Opossumrennen im mexikanischen Hinterland. Als Sieger wurde ein kleines männliches Opposum namens Peter gekrönt. Es trug folgenden Sieger-Themenzettel um den Hals: “Hypnotisches Repetieren scheinbar sinnloser Textzeilen”. Welch herrliches Thema für einen herzhaften Clash. Danke Peter!

A-Seite: Kirk’s Geister

Den Anfang macht ein eher unbekanntes musikalisches Genie. Rahsaan Roland Kirk brachte es trotz seiner Blindheit auf die Reihe, mehrere Saxophone gleichzeitig zu bedienen. Mir gelang das nicht einmal mit einem Exemplar. Meine saxophonalen Versuche klangen eher nach einem in einer Tuba gefangenen, schwangeren Opossum.

Doch nicht nur aus technischer Sicht hat der Mann kommunistische Massenhuldigungen verdient. Auch sein schöpferisches Musiktalent lässt einen in die Hände klatschen. Den Beweis findest Du auf der A-Seite des heutigen Tapes. Spirits Above heisst das Stück. Hier wird zu Beginn repetiert was die Kehle hergibt. Gen Ende bricht dann doch ein bisschen Free Jazz durch und sorgt für ein ebenso chaotisches wie schönes Ende. Gewürdigt wurde das Talent von Roland zuletzt mit der Aufnahme des Tracks in die Kings of Jazz Compilation. Lass Dich hypnotisieren…


Tape als MP3

B-Seite: Bob’s müde Pferde

Bob Dylan war 1970 ähnlich experimentierfreudig und erzeugte mit All the Tired Horses seinen persönlichen Repetierungsmarathon. Und zwar mit nur einen Textzeile, die von einem Mini-Damechor zum Besten gegeben wurde. Diese Zeile ist ebenso kurz wie unverständlich.

All the tired horses in the sun. How’m I s’posed to get any ridin’ done?

Ja, wer kennt sie nicht! Die ständigen Probleme mit müden Pferden. Das ganze beginnt zunächst a cappella, vermehrt sich jedoch mit immer wieder neu hinzukommenden Instrumenten. Es endet in melancholischer Orgeluntermahlung und herrlichen Arrangements. Ein Lied für den Blick in den Sonnenuntergang. Lass die Mädels heulen…


Tape als MP3

The Bottom Line

Beide Tracks erscheinen zunächst langweilig. Doch gerade die feinen Unterschiede in jeder neuen Wiederholung erfüllen mein altes Herz mit Freude.

By they way: der gute Kirk pfiff übrigens auch schon für Quincy Jones durch die Flöte und verschönerte dadurch Soul Bossa Nova ungemein. Das gibt einen extra Punkt und sorgt somit für eine Entscheidung pro Kirk. Vielleicht hast Du ja auch noch ein paar hypnotische Gesangszeilen auf Lager. Lass mal was hören.

Yours truly

Dr. Diggins