Dass man beim Musikhören die Augen schließen soll, um sich besser auf die Musik konzentrieren zu können, ist nix neues. Man soll ja auch beim Sex nicht Sudoku spielen und ebensowenig während eines Duells bei Sonnenaufgang Fußnägel kauen o.ä. Wichtige Dinge erfordern Konzentration.

Louis Thomas Hardin aka Moondog war blind, und vielleicht ist es diesem tragischen Umstand zu verdanken, dass er so großartige Musik geschrieben hat. Geboren 1916 hantierte er im Alter von 16 Jahren mit Sprengstoff und erblindete. Er spielte auf den Straßen New Yorks mit selbstgebastelten Trommeln und nannte sich nach seinem Blindenhund, der sich das Lied “Bark at the Moon” zur Lebensaufgabe gemacht hatte.

Äußerlich wohl etwas verlottert und langhaarig, begann er irgendwann, Wikingerkleidung zu tragen (Helme mit Hörnern, Lanzen, Plateauschuhe - das ganze Programm), um nicht ständig mit Jesus in Verbindung gebracht zu werden. Seine Musik besteht oft aus kleinen 2-Minuten Stücken, alles von ihm selbst eingespielt. Viele verrückte Sachen, nicht zu empfehlen, wenn man gerade versehentlich auf irgendwelchen Psychopharmaka ist. Aber hypnotisch, wegweisend für seine Zeit.

Das heutige Tape kennt ihr alle, wenn auch nicht in dieser Form. Hört rein, ihr wisst sofort, was ich meine. Bird’s Lament schrieb Moondog in Erinnerung an seinen verstorbenen Freund Charlie Parker und ist eines seiner zugänglichsten Lieder. Wunderschöne Melodie. Beim anhören Augen schließen.

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Tape als MP3

Yours truly

Dr. Diggins